15 Jahre Kunstplatz Karlsplatz - zukünftige kulturpolitische, stadtplanerische und institutionelle Perspektiven
06.02.2012 18:26
15 Jahre Kunstplatz Karlsplatz - zukünftige kulturpolitische, stadtplanerische und institutionelle Perspektiven
Das Künstlerhaus hat zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Jeder der anwesenden Vertreter der Institutionen verteidigte seinen Bereich mit wenig Bereitschaft zur Kooperation.
Am Podium saßen Wolfgang Kos, Beppo Mauhart, Manfred Nehrer, András Pálffy, Gebhard Schatz, Jan Tabor, Klaus Werner-Lobo, Peter Melichar. Andreas Mailath-Pokorny ist nicht erschienen. Die Diskussion wurde von Andrea Schurian moderiert.
Die Idee „Kunstplatz Karlsplatz“ war es, alle Kulturstätten zusammenzuführen. Beispielhaft sei „gemeinsames ticketing“ (Eintrittskartensystem) angeführt. Städtebauliche Maßnahmen standen bei damaligen Überlegungen nicht im Vordergrund.
Was ist in den letzten 15 Jahren geschehen? Meiner Meinung nach zu wenig, und das wurde auch in der Diskussion angesprochen, um diesen gemeinsamen Geist auch nach außen zu tragen.
Es gab optische Verbesserungen wie die Entfernung von Gebüschen, um den Resselpark durchsichtiger zu machen. Die Überquerung des Karlsplatzes an der Oberfläche ist durch Fußgängerübergänge leichter geworden, man ist nicht mehr gezwungen unterirdisch den Platz zu queren.
Eine Projektgruppe „karlsplatz.org“ wurde 2006 eingerichtet und damit beauftragt, die an und um den Karlsplatz angesiedelten Institutionen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung zu vernetzen, sowie einen identitätsstiftenden Prozess zu einem authentischen „Kunstplatz Karlsplatz“ anzuregen und zu moderieren.
Die Interessen der Diskutanten waren sehr verschiedenartig:
- Der Direktor des Wien Museums will einige Bäume weg haben, damit das Museum besser sichtbar wird. Er wünscht sich ein monumentales Gebäude, ein Art Wahrzeichen. Er findet auch, dass ein Zweikampf zwischen Kultur und Natur stattfindet, wobei er für Urbanität eintritt. Meiner Meinung nach vergisst er aber, dass der Autoverkehr den Platz im Würgegriff hält und jeder Verbesserung im Wege steht.
- Die Vertreter des Künstlerhauses wollen mehr Geld für ihr Haus und suchen daher die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie Kunsthalle und Wien Museum, wollen aber ihre Eigenständigkeit (als Haus der KünstlerInnen) behalten. Aus dem Publikum kam die leichte Kritik an dem Verein „Künstlerhaus“. Vielleicht bedarf es einer neuerlichen Sezession, um das Künstlerhaus zu retten.
Die Sezession selbst kam in der Diskussion nur insofern vor, als der unterirdische Gang zur Sezession mit seiner Kunst im Öffentlichen Raum erwähnt wurde. Nicht vorhanden in der Diskussion waren auch das Novomatic Forum (ehemalige Verkehrsbüro), die Technische Universität und die Karlskirche.
Einer Frau aus dem Publikum sind der Kinderspielplatz und die Bäume und das Grün im Weg. Hier kann ich als Bezirksmandatar der Grünen nur sagen: Nein. Auf dem Karlsplatz muss auch Platz sein für spielende Kinder, aber auch für Grün. Sowohl TouristInnen wie erholungssuchende BewohnerInnen des Bezirks und der Stadt werden uns das im Sommer danken. Die Aufgabe von Stadtgrün als kühlende Klimainsel im dicht verbauten Gebiet ist ebenfalls nicht zu unterschätzen.
Für mich hat die Diskussion gezeigt, dass die Akteure sich verhalten wie Schrebergartenbesitzer (es waren nur Männer am Podium, außer der Moderatorin). Jeder hat das Wohl und Weh seiner Institution im Auge und ich sehe kaum eine Bereitschaft zusammen zu wachsen.
Die Politik tut sich schwer, etwas zu bewegen, wenn die Akteure in verschiedene Richtungen ziehen.
Kunstplatz Karlsplatz ist ähnlich schwierig, wie die Lösung der Quadratur des Kreises. Noch dazu, wo der Karlsplatz kein Platz ist und von einer autobahnähnlichen Verkehrsschneisse durchschnitten ist, er heißt nur so.
Landesbüro der Wiener Grünen
Lindengasse 40 1070 Wien
manfred.itzinger@gruene.at
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