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am 9. September

Verkehrspolitische Leitprojekte für die Wieden – Fragen und Antworten

Karin Lehmann, Manfred Itzinger - Die Grünen Wieden haben eine Studie „Verkehrspolitische Leitprojekte für die Wieden“ durch die TU Wien, Institut für Verkehrswissenschaften, erarbeiten lassen.

Die Studie empfiehlt unter Klimaaspekten eine Reduktion des Verkehrsaufkommens in der Unteren Wieden. Operngasse und Margaretenstraße werden überwiegend von Ein- und Auspendlern in die Innenstadt frequentiert, daher schlägt die Studie zunächst eine Begegnungszone in der Margaretenstraße

und in der Folge eine neue Verkehrsordnung für die angrenzenden Straßen vor (siehe letzter Absatz). Darüber hinaus empfiehlt die Studie eine massive Ausweitung der Baumpflanzungen.​​

Warum wird gerade dieser Bereich der Unteren Wieden verkehrsberuhigt?

Verkehrsreduktion wird erzielt durch Geschwindigkeitsbeschränkungen, durch bauliche Maßnahmen, wie Bodenschwellen, oder durch den Wegfall von Fahrspuren. Die Operngasse, eine der meistbefahrenen Straßen Wiens ist dreispurig, daher ist dort eine Verringerung der Fahrspuren möglich. Die Wiedner Hauptstraße ist bereits zum größten Teil einspurig, die Favoritenstraße nur im Bereich zwischen Mayerhofgasse und Gußhausstraße noch zweispurig. Dort sind also nur Geschwindigkeitsreduktionen möglich. 

Was aber wichtiger ist, es wohnen gerade im Bereich Operngasse – Margaretenstraße – Schleifmühlgasse – Wiedner Hauptstraße viele Menschen, für die durch eine Verringerung des Durchzugsverkehrs eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensqualität erreicht werden kann. Die vorgeschlagenen Maßnahmen bringen mehr Aufenthaltsqualität, weniger Lärm, bessere und sichere Querungsmöglichkeit der Straße und bessere Luft.​

Was unterscheidet eine Begegnungszone von einer Fußgängerzone?

Die größten Vorteile im Sinn von Aufenthaltsqualität gibt es in einer Fußgängerzone. Das Befahren ist nur mit einer behördlichen Genehmigung erlaubt, sonst ist es ausnahmslos verboten. Als Höchstgeschwindigkeit gelten 30 Km/h. Die Behörde kann Verordnungen erlassen und in Absprache mit den Geschäftsleuten Zeiträume bestimmen, innerhalb derer eine Ladetätigkeit vorgenommen werden darf. Dies kann tagsüber oder auch abends sein. Der Lieferverkehr wird es so bequemer haben, zuzustellen. Vor allem wird die Einkaufsatmosphäre für das Publikum wesentlich angenehmer. 

In einer Begegnungszone sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Die Radfahrenden sind auf derselben Fläche unterwegs wie PKW, öffentliche Verkehrsmittel und Fußgänger*innen. Das heißt aber auch, dass ein mutwilliges Behindern anderer Verkehrsteilnehmer unzulässig ist. Es gibt keinerlei zeitlichen Einschränkungen für das Befahren. Als Höchstgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge gelten 20 Km/h. Die Behörde kann auf 30 Km/h erhöhen. Geparkt bzw. gehalten werden darf nur an ausgewiesenen (markierten) Stellen. Lieferzonen werden gesondert ausgewiesen, ebenso die Anrainerparkplätze.

Welche Auswirkungen hat die Begegnungszone Margaretenstraße auf den Bus 59A?

Durch den Wegfall der Schrägparkplätze - die Autos ragen oft in die Busspur und behindern den Bus - kommt der 59A schneller voran. Die Bus-Haltestelle beim Ida-Margulies-Platz wird aus der Bucht in die Fahrbahn verlegt, d.h. PKW müssen hinter ihm warten, das bringt eine zeitliche Verbesserung für den Bus, da er zügig aus der Station wegfahren kann.

Auch für den Bus gilt die gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeit von 20 Km/h. Es gibt allerdings die Möglichkeit, für den Bus eine höhere Geschwindigkeit zu verordnen.

Was haben Fußgänger*innen und Radfahrende von einer Begegnungszone?

Die Radfahrenden haben in einer Begegnungszone mehr Platz, denn sie können die gesamte Fahrbahn benützen. In der Margaretenstraße können sie in beide Richtungen fahren, PKW und Bus nur stadtauswärts.

Für die Fußgänger*innen wird die Aufenthaltsqualität deutlich gesteigert. Durch Bänke, Brunnen und Bäume und bessere Luft wird die Straße attraktiver zum Spazierengehen und Verweilen. Darüber hinaus wird die Querung der Straße sicherer.

Können Lieferfahrzeuge und Fahrzeuge der Bewohner*innen zufahren und parken?

Lieferverkehr ist in der Begegnungszone Margaretenstraße ohne zeitliche Einschränkung möglich. Die Anrainer*innen können jederzeit zu ihren Wohnhäusern zufahren und in den ausgewiesenen Bereichen parken.​

Wo sollen die vielen Autos, die jetzt in der Operngasse und der Margaretenstraße unterwegs sind dann fahren?

Der Durchzugsverkehr in der Operngasse beträgt derzeit 17.000 Autos pro Tag. Die Reduzierung um eine Fahrspur und die Begegnungszone Margaretenstraße schränken diesen Durchfluss erheblich ein. Wohin verdrängen wir den KFZ-Verkehr und mit welchen Auswirkungen?

Es geht um Verringerung, nicht um Verdrängung! Das Ziel ist als klimawirksame Maßnahme die Reduktion des Autoverkehrs! Viele gesamtstädtische Maßnahmen, wie die verkehrsberuhigte Innenstadt, Begegnungszonen in angrenzenden Bezirken, das verbessere Angebot öffentlicher Verkehrsmittel – sie alle reduzieren das Verkehrsaufkommen, so dass es mit den geplanten Maßnahmen bewältigbar ist. Es wird zu keinen Staus kommen.​

Wie fließt der Verkehr in Zukunft zur Südautobahn?

Der Verkehr zur Südautobahn wird nicht mehr durch die Schleifmühlgasse geführt, die in diesem Bereich ebenfalls Begegnungszone werden soll. Er wirdin Zukunft durch die Paulanergasse in die Wiedner Hauptstraße zur Triesterstraße geleitet oder über die Favoritenstraße zum Verteilerkreis. Oder am Besten außen herum über Wiental und Gürtel zur Autobahn.

Als weitere Maßnahmen schlägt die Studie noch Folgendes vor:

Eine Fußgängerzone in der Schleifmühlgasse zwischen Kühnplatz und Operngasse. Die Zufahrt zur Garage bleibt über die Schleifmühlgasse gewährleistet. Im Teilstück zwischen Operngasse und Wiedner Hauptstraße wird eine Begegnungszone mit einer Baumallee vorgeschlagen.

Die Wiedner Hauptstraße zwischen Paulanerkirche und Paniglgasse soll durchgehend auf eine Fahrspur stadteinwärts verringert werden. Stadtauswärts benützen die wenigen zufahrenden Autos die Gleise der Wiener Linien. Stadteinwärts soll ein Stück Rasengleis errichtet werden.

Für den Heumühlbogen wird eine Fußgängerzone vorgeschlagen. Damit kann der Wiedner Stern ein überschaubarer Kreuzungsbereich werden.​