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am 10. September

Finanzwissen gegen Altersarmut?

Ursula Machold - Eva Lachkovics (Mitglied des Vorstandes von Gplus (Grüne Senior:innen)​: Kommentar anlässlich des Equal Pension Day in Wien

Wien ist bekanntlich anders.

Beim so genannten Equal Pension Day wirkt sich das positiv für Frauen aus. Der Equal Pension Day ist der Tag, an dem Männer im laufenden Jahr bereits so viel Pension bekommen haben wie Frauen insgesamt bis zum Jahresende erhalten werden.

Für ganz Österreich

war der heurige Equal Pension Day am 1. August, für Wien ist er erst am 6. September. Das bedeutet, dass im österreichischen Durchschnitt Frauen um 41,6 % weniger Pension bekommen als Männer, in Wien sind es "nur" 31,8 % weniger, immerhin um fast ein Drittel.

Frauen weisen meist aufgrund ihrer Betreuungspflichten

weniger Pensionsbeitragsjahre auf und tappen dann oft in die Teilzeitfalle. Ganz besonders negativ wirkt sich der Pay Gap zwischen Frauen und Männern aus. Der beträgt beim Bruttostundenlohn immer noch über 20 %. Grund dafür ist vor allem die schlechte Bezahlung in frauendominierten Branchen. Die Corona-Krise hat uns zwar gezeigt, dass gerade diese wie der Lebensmittelhandel oder das Pflege- und Spitalswesen für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Aber der Applaus dafür erhöht die Pensionen kein bisschen.

 

Nun glaubt das Finanzministerium

das Allheilmittel gefunden zu haben. Im Rahmen der Serie "Finanzwissen" von Finanzministerium und Kurier wurde den Frauen unter dem Titel "Finanzbildung sollte weiblicher werden“ erklärt, dass sie selbst schuld an ihrer Altersarmut sind. Wei sie kein Finanzwissen haben, investieren sie nicht in ihre Altersversorgung.

Fragt sich nur,

was den Frauen in einem gering bezahlten Care-Beruf, Finanzwissen nützt, wenn sie nichts haben, das sie veranlagen könnten. Was soll eine alleinerziehende Billa-Verkäuferin in eine private Altersversorgung investieren, wenn sie sich nur mit Mühe gute Winterschuhe für ihre Kinder leisten kann? Wie stellen sich Finanzministerium und Minister das vor?

Es braucht ganz andere Maßnahmen, um der Altersarmut von Frauen beizukommen, u.a.:

•       Gleiche Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit,

•       Adäquate Bezahlung in den neuerdings so genannten systemrelevanten Berufen,

•       Arbeitszeitverkürzung, so dass sich beide Eltern um die Kinder kümmern können,

•       Gute pensionsstiftende Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige,

•       Maßnahmen gegen Lohndiskriminierung von Frauen in der Privatwirtschaft.

 

Wenn alle Frauen so viel verdienen, dass sie sich das Spiel mit Aktien, Anleihen und anderen Investitionen leisten können, dann gibt es keine Altersarmut von Frauen mehr, egal, ob sie etwas veranlagen oder nicht.